DER UNWAHRSCHEINLICH BEKANNTE UNBEKANNTE

ON THE ROAD MIT STEVE FERRONE

Als Drummer sollte man Stephen Ferrone kennen,

wobei ich ganz ehrlich gestehen muss, dass ich ihn, eigentlich mit nur einer Ausnahme, keiner Band richtig zuordnen konnte. Ich wusste, dass er zur Zeit der Aufnahmen zum legendären "Unplugged" - Album mit Eric Clapton unterwegs war. Dieser Name sagt natürlich auch jedem etwas, sollte es zumindest. Unmittelbar vor unserem Treffen habe ich mitbekommen, dass Stephen schon seit langem fester Bestandteil der "Tom Petty and the Heartbreakers" Band ist. Ich habe mich mit dieser Band nie wirklich beschäftigt,aber: "Learning to fly" ? Klar, den Song singe ich selbst immer mit wenn er im Radio läuft.

Als wir den Gretsch Dealern, wie zum Beispiel Just Music und auch Musik Produktiv, das Angebot machten, ihnen Steve Ferrone für einen Workshop nach Deutschland zu holen, ging es dann Schlag auf Schlag. Ich musste Anhand der Reaktionen festgestellen, dass es doch deutlichere Defizite bezüglich meines Wissens zu dieser Legende gab. „OK, however...“ dachte ich mir, es ist auf jeden Fall richtig Klasse, dass die Leute so Bock drauf haben.

Ein total sympathischer Typ mit dem man Spaß haben kann

Nachdem wir uns im Zuge der Vorbereitung schon am Telefon gesprochen, und in der Woche vor der Tour  in Paris auf der "Bag-Show" auch persönlich kennenlernten, war die Vorfreude richtig groß. Ein total sympathischer Typ, mit dem man Spass haben kann. Als sich die Tür vom Ankunft-Terminal öffnete ging er plötzlich am Stock. "Das Wetter macht meinem Knie zu schaffen“, das Spielen ist aber kein Problem, lächelte er. Er sagte mir, dass er sich schon seit der Mitarbeit an Slash´s Album von 2010 damit herum plagt. Jeder Drummer kennt mit Sicherheit auch Slash.

 

Auftakt Berlin, eine kleine Anmoderation und der Empfang durch das Publikum ist grandios. Erst ein paar Songs, dann steht er Rede und Antwort. Es ist fesselnd, wenn Musiker wie er so ein bisschen aus dem Leben plaudern. Er sprach über seine Arbeit mit Chaka Khan und auch von einer Produktion mit Robbie Williams. Dann kam der letzte Song. "Pick up the pieces - Average White Band"... oh man na klar, da war er auch langjähriges Mitglied! Beeindruckend ist es schon, zu wissen an wie vielen Songs er beteiligt war oder mit welchen Künstlern es schon eine Verbindung gab.

 

Es ist unglaublich, als Studiomusiker war er offensichtlich noch viel gefragter als ich dachte. Ich glaube zu wissen, warum Steve auch heute noch viele Produktionen spielt. Wenn er zu einem "einfachen" Groove oder Shuffle ansetzt, dann ist das irgendwie anders. Er selbst nennt es einfach nur "Pocket", erstaunlicher Weise kann er die Bedeutung selbst nicht wirklich beschreiben.

Fahren, Sightseeing, das Abendessen, allgemein wird es nie langweilig. Dieser Mensch kann, gefühlt, zu jedem Thema eine wirklich nahezu unfassbare Geschichte erzählen. Der bekannteste Song von Duran Duran an dem er mitwirkte war Ordinary World, "was auch sonst", denke ich mir mit einem Schmunzeln. Die Zeit würde einfach nicht ausreichen, um über jeden der  Künstler mit denen er gearbeitet hat, sprechen zu könnnen. Beiläufig erwähnte er Sessions mit Phil Collins oder Produktionen für Brian May. Ich traue mich schon gar nicht mehr nachzuhaken...

 

Stephen liebt die deutsche Küche, nein, allgemein liebt er gutes Essen. Das Übersetzen der Speisekarte ist war nie meine Stärke, ist im Grunde aber auch nicht nötig gewesen. Die Namen  typisch deutscher Gerichte kennt er genau. Nach einer leckeren Schweinshaxe überlegte er kurz und ich dachte, jetzt kommt eine neue Geschichte mit Bezug zu irgendeinem Künstler. Aber nein, er konnte sich einfach nur nicht daran erinnern, wann er das letzte mal so "fantäkstisch" gegessen hatte. Endlich konnte ich auch mal trumpfen, wenn es auch nur mit der Auswahl eines guten Essens war.

 

Ich fahre definiv mit einer Legende durch die Gegend - einer Legende, die es mir persönlich sehr einfach macht. Keine Allüren, wirklich humorvoll und total bescheiden. Gut, er hat es nicht wirklich mit der Pünktlichkeit, allerdings frag ich mich dann doch ein, wessen Problem das eigentlich ist? Der Mann besitzt eine unwahrscheinliche Ruhe, hat das vielleicht auch was mit seinem “Pocket“ zu tun? Er nimmt gewisse Dinge allerdings auch sehr ernst! Seine Kinder und die Enkel sind ihm wichtig, seine Freunde ebenso. Er kauft relativ viele Ansichtskarten und wird dann doch mal ein wenig unruhig, wenn er diese nicht zeitnah verschicken kann. Eine davon schickt er an Nathan East, ich denke auch der ist einer seiner besten Freunde.

 

Auf der Fahrt klingelt das Telefon, Steve hat ein kurzes und unaufgeregtes Gespräch. Heraus kommt dabei, dass Steve vielleicht ab Februar als Drummer mit einem der größten Popstars Europas touren wird. “Das geht ?"... frage ich ihn, "in so kurzer Zeit all die Songs drauf zu schaffen?" Er hat sowieso fast alle Alben dieses Künstlers eingetrommelt, von daher sei es kein Problem. Wieder ein schmunzeln.

Irgendwie schon komisch, jemanden wie Steve über einen Zeitraum von einer Woche kennenzulernen. Die Gäste auf den Workshops fragen ab und zu auch mich, ob sie ihn um ein Autogramm bitten, oder ein Foto machen dürfen. Man möchte fast sagen: "Na klar, wieso fragst Du denn?" Er hat mir die Zeit so einfach gemacht, dass ich fast vergessen habe, wie viel Respekt man im Regelfall vor einer solchen Größe hat.

"Michael wollte Anfangs, dass ich den Fill auf einem E-Drum spiele"

Es war tatsächlich ein ulkiges Gefühl auf der Fahrt zum Flughafen. Eine tolle Woche mit tollen Shows für jedermann. Das Publikum bekam richtig gute Musik geboten und konnte den “Groove“ im Bandgefüge erleben. Umso erstaunter waren einige, dass die Musiker und Steve, welche gemeinsam die Workshop bestritten, sich selbst erst kurz vor jenem Workshop kennenlernten. Tja, so kann es gehen, wenn der Drummer "Pocket" besitzt.

 

Im Radio lief Michael Jacksons "Earth Song". Ich bin kein Fan, aber unglaublich war der Typ und seine Musik doch allemal. Gleich kommt endlich dieser coole Drumfill, die Hände lösen sich schon ein wenig vom Lenkrad, um zum "Air- drumming" an zu setzen. Immer wieder trommel ich diese Stelle mit! So ganz unaufgeregt sagt Stephen zu mir: "Michael wollte anfangs, dass ich den Fill auf einem E-Drum spiele - Gott sei dank konnte ich ihn mit meinem Sound überzeugen!".

Texte: Nico Nevermann
Photos: Nico Nevermann
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